Elektrotechnik und Maschinenbau



Maschinen für die Welt

Wenn der Motor von Formel I-Boliden für kurze Zeit mal auf 19.000 Umdrehungen in der Minute hochgejagt wird, löst das weltweit Verzückung und Bewunderung aus. Wenn eine Zentrifugenspinnmaschine auf 60.000 Touren kommt – und das in jeder Minute rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche -, dann ist das schnöder Alltag. Denn Garne werden heute dreimal schneller hergestellt als bisher – dank der findigen Textilmaschinenindustrie am Niederrhein. Sie hat seit rund 130 Jahren immer wieder mit Innovationen überrascht, nachdem der Vorsprung der Engländer Ende des 19. Jahrhunderts aufgeholt war.

Wenn der Name Eduard Küsters fällt, dann ist immer auch die „Schwimmende Walze“ gemeint. Sie hat die Fertigungs- und Veredlungsprozesse in der Textil-, Vliesstoff- und Papierindustrie revolutioniert. Seine durchbiegungsgesteuerte Walze führte zu ungeheuren Kapazitätssprüngen; 24.000 Walzen laufen heute in Maschinen auf dem ganzen Erdball. Und der Name des Krefelders steht in der nordamerikanischen „Hall of Fame" der Papierindustrie – einer der ganz wenigen Europäer, dem diese Auszeichnung zuteil wurde.

Der Maschinenbau am Niederrhein ist mit der Textilindustrie groß geworden und hat Weltmarktführer hervorgebracht, so etwa Trützschler bei den Spinnereivorbereitungsmaschinen. Er hat den Textilern entscheidende Impulse bei der Herstellung hochwertiger Produkte gegeben, ist im Laufe der Zeit aber auch in andere Dimensionen gewachsen und stellt Maschinen und Anlagen für fast alle Branchen her – von der Atomtechnik bis zum Werkzeugbau oder konkret vom „Castor“ bis zu CNC-Hochleistungsdrehmaschinen oder flexiblen Dreh-Fräszentren mit Fünf-Achsen-Bearbeitung (Monforts). Der Niederrhein ist mit bedeutenden Unternehmen das europäische Zentrum für Gravurwalzen. Diese Walzen werden eingesetzt für den Tiefdruck von Tapeten, Dekopapier, Folien, Verpackungen und Holzfurnieren, für die Prägung von Wand- und Bodenbelägen, Blechen, Kunstleder und Textilien sowie Kaschierungen aller Art.

Spitzentechnik im Großformat: Ins Guinness-Buch der Rekorde kann sich das Krefelder Unternehmen Siempelkamp eintragen lassen, das in diesem Jahr das mit 252 Tonnen größte Gussteil der Welt, einen Oberholm für eine Dickblech-Richtpresse, herstellte und dann im eigenen Portalbearbeitungszentrum auf die geforderten Maße brachte – bis auf 0,1 mm genau. Siempelkamp ist das einzige Unternehmen weltweit, das Bauteile dieser Größenordnung nicht nur gießen, sondern auch bearbeiten kann.

Noch größere Schwergewichte verlassen regelmäßig die Hallen der Areva Energietechnik in Mönchengladbach, früher unter dem Namen Schorch bekannt. So machte sich im Frühjahr 2009 ein Schwertransport mit einem 442 Tonnen wiegenden Transformator auf den Weg nach Ostdeutschland. Für den Transport war er um knapp 120 Tonnen abgespeckt worden. Die Transformatoren aus Mönchengladbach sind weltweit begehrt. Der Name des Firmengründers Max Schorch lebt weiter in der abgespaltenen Elektrische Maschinen und Antriebe GmbH, die Asynchronmotoren für alle industriellen und kommunalen Einsatzbereiche herstellt.

Unter High-Tech made in Mönchengladbach fallen auch die Parkautomaten, Tanksäulen, Bahnsignale und Fahrgeldautomaten, die Scheidt & Bachmann entwickelt und in 50 Länder verkauft. Das Unternehmen hat 2009 seine Kapazitäten erweitern müssen, so begehrt sind die technisch hochausgereiften und auf die Bedürnisse der Kunden individualisierten Systeme.

Der Lüftungstechnikspezialist Trox leistet entscheidende Beiträge zur Brandbekämpfung auf dem Flughafen Düsseldorf oder zur Luftzirkulation auf dem Flughafen Barraja in Madrid.

Landwirtschaftlichen Geräten sieht man die technischen Finessen nicht auf den ersten Blick an, doch sie fungieren heutzutage fast so wie die Bearbeitungszentren im Werkzeugmaschinenbau: Sie erledigen mehrere Arbeitsgänge in einer Fahrt. Deshalb kommt es nicht von ungefähr, dass der Alpener Landmaschinenbauer Lemken Marktführer bei Drehpflügen und Grubbern in Deutschland ist. Weltweit verkauft er rund 14.000 Geräte im Jahr, ab 2010 soll eine 12 Meter breite Sämaschine in Serie gehen; sie ist vor allem für den russischen Markt gedacht.

Zwar wurde die Erfindung der nahtlosen Rohre im Bergischen Land gemacht, doch die Maschinen zu ihrer Herstellung kamen von den Gebrüdern Meer in Mönchengladbach, die damit den Grundstein für den heutigen Anlagen- und Maschinenbauer SMS Meer legten; das Unternehmen ist in vielen Bereichen der Rohr-, Profil- und Schmiedetechnik Weltmarktführer.

Damit Strom und Daten auch dort ankommen, wo sie gebraucht werden, fertigen Nexans (ehemals Kabel Rheydt) oder Bröckskes in Süchteln die entsprechenden Kabel. Dass der Transrapid in Shanghai funktioniert, ist auch Kabeln vom Niederrhein zu verdanken.

Das Produktspektrum der mehr als 150 Unternehmen aus Maschinenbau und Elektrotechnik am Niederrhein ist breit gefächert und auf internationale Märkte ausgerichtet. Beide Branchen zählen mit rund 25.000 Beschäftigten und einem Umsatz von gut 6 Milliarden Euro zu den gewichtigen Wirtschaftszweigen am Niederrhein.

In guter Gesellschaft

Initiativen

maex-online: Die WFMG Wirtschaftsförderung Mönchengladbach GmbH hat einer regionalen Online-Börse den Weg bereitet, über die Unternehmen aus den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau sowie angrenzender Branchen kostenlos ihre Angebote an und Nachfragen nach Maschinenkapazitäten mit Partnern aus der Region austauschen können.

Ansprechpartner

Bertram Gaiser
Geschäftsführer
Standort Niederrhein GmbH
02131 / 92 68 592
gaiser@standort-niederrhein.de

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